Redionale Rundschau vom 18.10.2019

 

Kritik an Erweiterung von Dreye-West III

Nabu fürchtet um Rohrweihe

Der Nabu sieht den Lebensraum vieler Tiere bei einer Erweiterung des Gewerbegebietes in Dreye bedroht. Rohrweihen, die in der Leester Marsch jagen, könnten selten werden, befürchten die Naturschützer. (Holger Bokelmann)

Weyhe-Dreye. Die Rohrweihe ist eine nach EU-Vogelschutzrichtlinie streng geschützte Art, in Weyhe scheint sich der Zugvogel aber bislang recht wohlgefühlt zu haben. Die örtliche Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) weiß von 31 Sichtungen in diesem Jahr zwischen März und Mai an der Ochtum in der Leester Marsch. Zwei Brutpaare seien sogar gesehen worden, die in der Nähe des Gewerbegebiet Dreye-West III gebrütet haben. Für die Naturschützer ein erfreuliches Zeichen, doch gleichzeitig fragen sie sich: Wie lange brütet die Rohrweihe da noch?

Der Nabu sorgt sich um den Greifvogel, dessen Lebensraum bedroht ist, sollte das Gewerbegebiet erweitert werden. Wie berichtet, will die Gemeinde Weyhe das Gewerbegebiet Dreye-West III Richtung Ochtum erweitern. Die Fläche ist jedoch seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Ausgleichsfläche – eben für das dortige Gewerbegebiet. „Rohrweihen haben eine Fluchtdistanz zwischen 100 und 300 Metern, sodass zu befürchten ist, dass die Rohrweihen bei einer Gewerbegebietserweiterung bis auf 50 Meter an die Ochtum ihren Brutplatz aufgeben“, sagt Ulrike Buck, Mitglied des Nabu und beratendes Ausschussmitglied.

Die Rohrweihe ist den Naturschützern zufolge „besonders störempfindlich“. Das Argument, der Vogel könne sich auch woanders in der Gemeinde sein Übergangsquartier suchen, lässt Thomas Brugger, Vorsitzender der Weyher Nabu-Gruppe, nicht gelten. Höchstens kleine Vögel könnten umgesiedelt werden. „Das geht nicht mit solch einem scheuen Kandidaten.“ Auch für weitere seltene Vogelarten ist die Fläche an der Ochtum mit dem angrenzenden Grünland und Schilfrohrsaum ein Zuhause. „Im Jahr 2018 und 2019 haben erfahrene Ornithologen in diesem Gebiet 45 Vogelarten der Roten Liste dokumentiert“, sagt Buck. 

Der Nabu will nun die Verwaltung und politischen Vertreter Weyhes dazu aufrufen, den Lebensraum und die damit verbundene Vogelvielfalt in dem Gebiet zu erhalten. Die Erweiterung von Dreye-West III solle gestoppt werden. Brugger kritisiert, dass der zugestandene Schutzradius von 200 Metern um die Ochtum nun angefasst werden soll: „Einerseits wird die Wertigkeit des Gebietes erkannt, dann wird es zugunsten von Gewerbeflächen aber aufgehoben.“

Die Debatte ist längst nicht abgeschlossen: Vor dem Hintergrund des mit Stimmen von SPD, CDU, Grünen und Die Partei beschlossenen Klimavorbehalts hat sich die Weyher Politik dazu verpflichtet, den Klima-, Umwelt- und Artenschutz in sämtliche Entscheidungen mit einzubeziehen. Der Nabu findet das nicht genug berücksichtigt – und sieht in Dreye-West III auch keinen Einzelfall. Thomas Brugger: „Der Druck nach Gewerbeflächen ist in der Gemeinde groß, um die Steuereinnahmen aufzubessern. Man geht in die wertvollen Gebiete – und wir haben wenig Naturraum.“ 

Mit der Grünen-Fraktion hat der Nabu bei dem Thema einen Fürsprecher. Ihre Chefin Annika Bruck verteidigt nach wie vor: „Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir zu tief in den Bereich eindringen. So nah sollte man an ein FFH-Gebiet nicht heran.“ Sie fordert eine Garantie, dass bestimmte Gebiete auch in Zukunft naturbelassen bleiben. 

Für die CDU-Fraktion gibt es kein Zurück, wie ihr Vorsitzender Dietrich Struthoff betont: „Die Gemeinde Weyhe braucht dringend die Steuereinnahmen.“ Immerhin sei sie vertragliche Verpflichtungen bei der Ortskernsanierung in Leeste eingegangen, die Kita Leeste müsse gebaut werden und ein Baustopp an der KGS Leeste käme auch nicht in Frage. Die Einkommenssteuer steige nicht, bei der Gewerbesteuer verzeichne die Gemeinde Einbrüche. Der Klimaschutz sei den Christdemokraten weiter wichtig, aber auch er koste Geld.

Das Thema hat der FDP-Fraktion in der Vergangenheit „Bauchschmerzen“ bereitet, sagt Antje Sengstake. Die Fraktionschefin findet aber, dass Weyhe die zusätzlichen Gewerbeflächen braucht. Gegenüber wirtschaftlichen Interessen ziehe der Naturschutz in der Regel den Kürzeren. Obgleich die Liberale stets für eine umsichtige Umsiedlung der an der Ochtum lebenden Tierarten eingetreten sei. Eine Ausgleichsfläche müsste nach dem Dafürhalten der Freidemokratin vorzeitig angelegt werden. „Die Tiere müssen freiwillig umziehen“, sagt Antje Sengstake.

Politik berät Gutachten noch 2019

Die Erweiterung des Gewerbegebiets Dreye-West III befindet sich laut der Ersten Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith derzeit im „förmlichen Bauleitplanverfahren“. Es habe auf Forderungen hin mehrere Begehungen des Areals gegeben, mit dem Ziel, die in dem Gebiet lebenden Vögel zu identifizieren und deren Brut- und Nistverhalten zu dokumentieren. „Die Ergebnisse der Untersuchungen sowie die Abwägungsvorschläge müssen nun in der nächsten Zeit in öffentlicher Sitzung im politischen Raum beraten werden“, sagt die Bürgermeisterstellvertreterin. Dies sei noch für 2019 vorgesehen. Die SPD-Fraktion will die Ergebnisse des Gutachtens abwarten, auf das sie laut ihrem Vorsitzenden Frank Seidel auch gedrängt hatte. „Wir brauchen noch Infos und Details“, sagt er. Liegen diese vor, wollen die Sozialdemokraten sie „mit aller gebotenen Sorgfalt“ durchgehen. 

Neue Ausgleichsflächen für die Erweiterung des Gewerbegebiets „in der näheren Umgebung“ zu schaffen, erachtet Pundsack-Bleith als selbstverständlich – „insbesondere entsprechend der Anregungen aus den Beteiligungsverfahren“.


Kreiszeitung vom 16.10.2019

 

Nabu fordert Abkehr von Expansion

Erweiterung von Dreye West-III: Wird Lebensraum der Rohrweihe vernichtet?

Eine Rohrweihe auf der Jagd in Leeste.

© Nabu / Bokelmann

Weyhe - Der Naturschutzbund Weyhe hat die Politik aufgefordert, die Erweiterung des Gewerbegebiets Dreye West-III – genauer gesagt: Richtung Ochtum – zu überdenken.

Das beratende Ausschussmitglied Dr. Ulrike Buck ruft deshalb „alle politischen Vertreter auf“, die Expansion Richtung Gewässerrandstreifen zu stoppen, „um die Vogelvielfalt zu erhalten“. Ob ihr Appell noch rechtzeitig ist, bleibt offen.

Wie berichtet, will die Verwaltung neue Gewerbeflächen ausgerechnet in einem Areal schaffen, dass bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Ausgleichsfläche ist – nämlich die für das Gewerbegebiet Dreye West-III.

Weyhe: Rohrweihe im Erweiterungsgebiet gesichtet

Die Grenzlinie hinter der Spedition Beeger und dem Unternehmen MDEXX will die Gemeinde zum Gewässer hin verschieben. Das sehen Umweltschützer sehr kritisch, wie Dr. Buck und auch der Nabu-Vorsitzende Thomas Brugger deutlich machen.

In Richtung Leeste soll das Gewerbegebiet erweitert werden.

Ornithologen hätten im betroffenen Gebiet seit Anfang 2018 insgesamt 45 der in der Roten Liste vorkommenden geschützten Vogelarten dokumentiert, so Buck. Dort zieht zum Beispiel auch die Rohrweihe ihre Kreise, eine laut Brugger „nach EU-Vogelschutzrichtlinie streng geschützte Art und besonders störempfindlich“.

Dieser Vogel wurde laut Nabu Weyhe zwischen März und Mai sogar 31 Mal sowohl „in der Ochtum“ als auch „in der Leester Marsch“ gesichtet.

Nabu befürchtet Zerstörung der Brutplätze in Dreye

Mehr noch: Zwei Paare wurden gesehen, die beide in der Nähe des Gewerbegebiets Dreye West-III gebrütet haben, berichtet Buck weiter. Der Nabu befürchtet, dass die Brutplätze und das Jagdrevier zerstört werden.

„Rohrweihen haben eine Fluchtdistanz zwischen 100 und 300 Metern“, erklärt Buck. Sie sieht diese Distanz aber längst nicht mehr gewahrt, wenn die Expansion des Gewerbegebiets die Grenze auf 50 Meter an die Ochtum verschiebt. Dieses Areal um die Ochtum herum zählt zudem laut Brugger zu den „ausgewiesenen Vorbehaltsgebieten für die Rohrweihe, wo man Maßnahmen ergreifen sollte“. 

Gebiet zur Ochtum hin schützenswert

Das Gebiet zwischen den letzten Gebäuden des Gewerbegebiets und der Ochtum falle sogar in die zweithöchste schützenswerte Stufe. Deshalb fordert der Nabu, dass sich entlang des Fließgewässers ein Gewerbegebiet nicht ausweitet. Brugger kann der Argumentation eines Planungsbüros, das für die Gemeinde arbeitet, nicht folgen. Diese Planer gingen davon aus, dass keine Art gefährdet sei, weil die Vögel ja – vereinfacht gesagt – woanders hinfliegen könnten. Brugger kommt zu einem ganz anderen Schluss: „Die Rohrweihe wurde auch im Kirchweyher und Rieder See gesichtet, aber dort gab es keine Bruterfolge. Nur an der Ochtum gibt es sie. Deshalb bekommt das Gebiet großen Stellenwert.“

Ein anderer Aspekt wirkt in das Verfahren hinein. Zeitgleich mit dem Ausscheiden von Bürgermeister Andreas Bovenschulte gilt in Weyhe der vom Rat mit Stimmen von SPD, CDU, Grünen und der Partei beschlossene Klimavorbehalt. Demzufolge hat sich der Rat verpflichtet, grundsätzlich „Lösungen“ zu suchen, die sich positiv auf „Klima-, Umwelt- und Artenschutz“ auswirken. Wirkt sich eine Expansion positiv auf den Artenschutz aus? Die Bürgermeisterstellvertreterin war gestern bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Vize-Bürgermeister Frank Seidel wollte zu diesem Thema keine Stellung beziehen. Er sei zwar im Thema, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende, aber er wolle sich vor einer Äußerung gegenüber der Presse mit seiner Partei abstimmen.

Grüne lehnen Gewerbegebiet-Erweiterung ab

Die FDP-Fraktionsvorsitzende Antje Sengstake will sich keinesfalls direkt zum Thema äußern. Auf die Frage zum Sachstand hinsichtlich des Verfahrens verweist sie auf die Verwaltung. „Die Entscheidung fällt allen nicht leicht. Zukünftige Projekte dieser Art werden es mit hoher Sicherheit in Weyhe sehr schwer haben“, so Sengstake.

Lediglich Annika Bruck, Fraktionsvorsitzende der Grünen, hatte in den zurückliegenden öffentlichen Sitzungen deutlich gemacht, dass sie eine Expansion zulasten geschützter Arten ablehnt. Im Frühjahr hatte die Politik beschlossen, die Vogelwelt neu zu bewerten.

„Die Gemeinde ist gut beraten, dem Ratsbeschluss zum Klimanotstand auch Taten folgen zu lassen und der Zerstörung von Flora und Fauna Einhalt zu gebieten. Dreye West-III gehört auf den Prüfstand und darf nicht in einer Nacht- und Nebelaktion durchgewinkt werden. Es wird Zeit, dass wir uns im Zweifel für unsere Lebensgrundlagen entscheiden“, sagt Jens Uhlhorn, Vize-Vorsitzende der Grünen, auf Anfrage.

CDU-Fraktion hakt Dreye West-III fast schon ab

Für die CDU-Fraktion ist die Gebietserweitung Dreye West-III schon fast abgehakt, so Dietrich Struthoff. Er befindet sich im Urlaub und habe an der jüngsten Sitzung des nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses nicht teilgenommen. Nach Kreiszeitungsinformationen wurde dort das Ergebnis der neuen Tierzählung vorgestellt.

Struthoff kann aber verstehen, weshalb die Verwaltung „ein großes Interesse hat, das Gewerbegebiet Dreye West-III zu erweitern“ und entsprechende Beschlüsse vorbereitet. Die Ansiedelung von Hermes und Jotbe in Sudweyhe langt aus Struthoffs Sicht längst nicht, um die vielen Wünsche der Verwaltung zu bezahlen. Einnahmen müssten her. Die Einkommensteuer sprudele nicht wie erhofft. 

„Und es sind so viele Projekte am Laufen: Neue Kita-Räume werden gebaut, die KGS Leeste wird in einem Rutsch saniert. Das kostet viel Geld. Wir benötigen auch mittelfristig Einnahmen.“ Nicht auszudenken wäre, wenn die Sanierung der KGS Leeste wegen Geldmangels gestoppt werden müsste. Der ehemalige Bürgermeister Andreas Bovenschulte hatte aus Sicht von Struthoff „auch deshalb in Weyhe eine glorreiche Zeit, weil die Einnahmen so gut waren“. 

Einen solventen Investor habe Bovenschulte für Dreye West-III angeleiert. Der CDU-Fraktionsvorsitzende geht davon aus, dass eine zwischenzeitliche Zählung während der jüngsten Brut- und Setzzeit ergeben hat, dass eben keine geschützte Art gefährdet ist.


Kreiszeitung vom 15.10.2019

 

Nabu gibt keine Entwarnung

Ist Patient Hombach weg vom Tropf?

Weyhe - Tote Fische an der Wasseroberfläche, ein über Kilometer ausgetrocknetes Bachbett und dadurch freigelegte Muscheln: Die Bilder von Abschnitten des Hombach, der Richtung Ochtum zum Leester Mühlbach wird, haben im Sommer zahlreiche Leser schockiert.

Das zeigten die Reaktionen im Internet. Überregionale ARD-Sender wie der Norddeutsche Rundfunk oder Radio Bremen griffen den Trockenfall der Weyher Gewässer auf und wollten wissen, weshalb der Hombach sein Wasser verliert.

Wie geht es dem Bach jetzt? Eine Stippvisite gestern hat ergeben, dass das Bett des Hombachs in der Nähe des Mühlenkamps wieder zu etwa 30 Zentimetern gefüllt ist. Das zeigt auch der Pegel an, der sich in Erichshof an der Straße Geestfurth befindet. Ist der Hombach damit weg vom Tropf, also gerettet? 

Hombach: Grundproblem bleibt

„Gerettet kann man nicht sagen“, so Thomas Brugger. Der Vorsitzende des Weyher Naturschutzbundes sagt, dass das Grundproblem längst nicht behoben ist. „Wir haben große Defizite im Grundwasserbereich“, so Brugger. Und das sei nicht nur im Norden, sondern deutschlandweit so. 

In Weyhe und in anderen Gemeinden in der Region sei der Boden bis zu einer Tiefe von 1,80 Tiefe durchgetrocknet. Nur in der oberen Schicht, die höchstens 25 Zentimeter mächtig sei, finde man eine Bodenfeuchte. Diese ist laut Brugger entscheidend für die Grundwasserneubildung. „Wir haben immer noch ein jährliches Regendefizit von rund 400 Litern pro Quadratmetern.“ 

Hombach könnte wieder austrocknen

 Der Gänsebach führt kein Wasser mehr.

Obgleich es in den vergangenen Tagen geschüttet hat, reicht das längst nicht, ist sich der Nabu-Vorsitzende sicher. „Wenn es mal einen Monat nicht regnen würde, könnte der Hombach wieder austrocknen“, weil das Grundwasser nicht ausreichend neu gebildet werden kann. Brugger erinnert auch an die konkurrierende Wassersituation hinsichtlich der Trinkwassergewinnung und den Bedürfnissen des Fließgewässers. 

Brugger freut sich, dass die Harzwasserwerke den Brunnen 8, der im Einzugsbereich des Hombachs liegt, im Juli abgeschaltet hatten. Die Trinkwasserförderung in diesem Bereich bleibe weiter ausgesetzt, sagt Ulf Panten, Umweltbeauftragter der Gemeinde, auf Anfrage. Das sei eine „kurzfristige Maßnahme“, um damit den Hombach zu schützen.

„Das ist schon mal erfreulich, dass die Harzwasserwerke einen Zusammenhang erkennen“, so Brugger. Die Harzwasserwerke verweisen wiederum auf den Klimawandel und auf die fehlenden Niederschläge.

Nabu-Vorsitzender: Trinkwasserförderung mögliches Problem

Brugger glaubt, dass die Trinkwasserförderung in der Region in erheblichem Maße dafür ursächlich ist, dass auch dem Gänsebach, der den Hombach zum Mühlbach werden lässt, das Wasser fehlt. Sein Bett führt seit Jahren nicht mehr regelmäßig Wasser. Kürzlich aber hatte eine Grundwasserabsenkung zu einem Kuriosum geführt: Eingeleitete Flüssigkeiten hatten den Hombach rückwärts fließen lassen, wie Dr. Ulrich Kuhlmann aus Leeste berichtete. Das Wasser strömte nicht nur Richtung Ochtum, sondern auch Richtung Mühlenkamp. Das bestätigen Thomas Brugger und Ulf Panten. Mittlerweile sei der Kellerbau Nähe des Bachs abgeschlossen – das Gänsebach-Bett führt kein Wasser mehr.

Hombach-Pegelstand an der Geestfurth: 30 Zentimeter.

Wie soll es für die Gewässer weitergehen? Thomas Brugger findet es richtig, dass sich im Sommer Politik und Verwaltung – insbesondere der Landkreis – mit dem Trockenfall des Hombachs beschäftigt hatten. Der Einrichtung eines Runden Tisches stehe der Nabu positiv gegenüber. Diese Absichtserklärung ist jetzt schon mehrere Monate alt. Viel ist noch nicht passiert. „Ich warte darauf, dass die Gemeinde Weyhe einen Termin anberaumt. Das ist ein sensibles Thema“, so Brugger. Da ist auch Expertenwissen gefragt. Aus Sicht des Naturschützers ist klar, dass weder Gemeinde, noch der Landkreis, noch die Harzwasserwerke sowie noch der Nabu mit der Situation zufrieden sind. Brugger glaubt, dass der Hombach durch seine Gräben und Zuläufe noch ein bisschen länger Wasser führt. Er merkt aber kritisch an, dass die nächste Trockenperiode kommt.

Runder Tisch: Politik muss handeln

Beim Runden Tisch gehe es um eine mittel- und langfristige Perspektive, erklärt der Rathausmitarbeiter Ulf Panten. Die Verwaltung bereitet die Besetzung vor. Ein politischer Beschluss sei dazu notwendig.

Die Beratungstermine stünden bereits fest: Am Mittwoch, 20. November, tagt der Fachausschuss, und dann geht das Thema durch den nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss. Am Mittwoch, 18. Dezember, entscheidet der Rat. Dann könnte der Runde Tisch bereits im Januar eingerichtet werden. Panten geht davon aus, dass er nicht-öffentlich tagt – die Ergebnisse und Überlegungen, wie man dem Hombach helfen könnte, sollten jedoch transparent sein.

Nabu Weyhe: Fließgewässer Lebensader der Natur

Für Thomas Brugger sind die Fließgewässer die Lebensadern der Natur. „Sie sind besonders wertvolle Bereiche, deshalb gilt es sie in Weyhe und anderswo zu schützen.“ Für den Nabu-Vorsitzenden gehöre eine Wohnbebauung und schon gar kein Gewerbegebiet an ein Ufer heran. Brugger schüttelt den Kopf beim Thema Grundwasserabsenkungen. Wie könne eine Verwaltung den Bau eines Kellers genehmigen, wenn sich in der Nähe ein Fließgewässer befindet? Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass dies grundsätzlich nicht mehr möglich ist.

Für Weyhe schlägt der Nabu-Vorsitzende ein Flurneuordnungsverfahren vor, sodass Flächen getauscht werden können, um dem Hombach zum Beispiel in Leeste mehr Raum zu geben. „Die Versickerungsfläche muss dazu vergrößert werden.“


Regionale Rundschau vom 22.08.2019

 

Nabu in Weyhe richtet Fledermausschutz her

Zum Abhängen in den Bunker

 

Die Betonfladen für den Bunker als Fledermaus-Winterquartier haben Stefan Rathjen (von links), Vera Nietzer-Herrlich und Bernd Daneke vorgestellt. (Plaggenborg)

Weyhe-Leeste. Eine kurze, enge Treppe führt in den Bunker in Leeste, der keine fünf Quadratmeter misst. Es riecht modrig, es steht etwas Wasser im Raum und es soll ein Zuhause für Fledermäuse werden, wenn es nach dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Weyhe geht. Der will nun weitere Anlagen im Gemeindegebiet präparieren, an die manche Menschen lieber nicht mehr denken mögen.

Kurt Stubbe war zuletzt als Kind in dem Bunker, der auf seinem Grundstück steht. Miteigentümer gibt es allerdings mehrere. Für ihn ist er das Relikt einer grausamen Zeit. Zwischen seinem neunten und zwölften Lebensjahr musste er immer wieder in das Bauwerk, das zu jeder Seite etwa anderthalb Meter dick ist und nach oben etwa drei Meter misst. Innen kommt die Höhe bis zur Decke nicht einmal auf zwei Meter. „Alle paar Nächte“, erinnert sich Stubbe, ging es dort hinein. Zum Kriegsende am häufigsten. „Das war schon schlimm“, sagt er, meint aber auch: „Das war schon eine Sicherheit für uns“. Immer dann, wenn die Zehn-Zentner-Bomben den Boden, aber auch den Bunker erschüttert haben.

Nun sollen die Bauwerke eine harmlosere aber ähnliche Funktion bekommen. „Die alten Schutzbunker werden wieder Schutzbunker“, sagt Bernd Daneke, Zweiter Vorsitzender des Weyher Nabu, nur eben jetzt für Fledermäuse. Solche Plätze seien rar heute, meint er. Im Winterschlaf atmen die Tiere nur ein bis drei Mal pro Minute. Werden sie im Schlaf gestört, verbrauchen sie sehr viel Energie. „Wenn das häufiger passiert, können sie sterben.“ In den Weyher Quartieren sollen die Tiere vor allem eines haben: Ruhe. Möglichen Zugang zum dunklen Heim können die Nachtjäger über einen der vier Luftschächte bekommen. Als zusätzliches Fledermaus-Portal hat der Nabu die Eingangstür angesägt. Als nächstes sollen dort Schilder montiert werden, die auf den Bunker als Tierdomizil hinweisen und mit einer Telefonnummer versehen werden sollen. Sicherheitshalber werde er auch abgeschlossen.

Unterkommen sollen die Fledermäuse in dem Bunker auf zweierlei mögliche Arten. Das eine sind Betonfladen, von denen drei Stück in dem dunklen Quartier an der Wand hängen. Auf ihrer Rückseite haben sie jeweils zwei Aussparungen, in denen Platz für Fledermäuse ist. Dazu kommen sogenannte Poroton-Steine. Die blockartigen Ziegel haben unterschiedlich große Löcher und werden normalerweise im Hausbau verwendet. Auch sie hängen an der Wand.

Fledermäuse kommen, um zu bleiben, meint Daneke. „Die sind sehr ortstreu“, sagt er – dann, wenn ihnen ein Flecken gefällt. Ob sie wie erhofft über den Winter in die Bunker im Gemeindegebiet einziehen werden, ist ungewiss. 30 dieser potentiellen Unterkünfte gebe es in der Gemeinde Weyhe, „fast alle auf der Westseite der Bahn“, sagt Daneke. Der Weyher Nabu habe mit vier weiteren Bunkern begonnen, sie herzurichten. Dass der Initiator Daneke überhaupt auf die Idee mit den Bunkern gekommen ist, ist seinem Engagement in Sachen Eulen und Falken zu verdanken, mit dem er vor drei Jahren startete. „Ich habe in dem Zuge immer wieder was gelesen über Bunker und Fledermäuse.“ An die Informationen über die brachliegenden Bauwerke ist er über Stefan Rathjen gelangt, der die Informationen wegen eines Projekts für den Kreisheimatbund hatte.

Bis überhaupt Fledermäuse in die Winterquartiere einziehen, könnte es noch dauern. „Die Kleinen werden jetzt flügge“, sagt Daneke. Ab Mitte September beginnen die Männchen und Weibchen mit der Paarungszeit. Auch das Anfressen von Fettreserven steht bis Oktober an und geht dann über in die Phase, in der bis Ende Oktober die Winterquartiere aufgesucht werden. Geschlafen wird laut Nabu dann bis Ende März, bis der Lebensrhythmus der Flughunde mit der Suche nach einem Sommerquartier wieder von neuem beginnt. Im Juni und Juli sind die Weibchen mit der Geburt und Aufzucht der Jungen beschäftigt, die Männchen sind dann meist Einzelgänger.

Unterwegs seien etwa Arten wie das braune Langohr oder auch der große Abendsegler. „Die gibt es überall in Weyhe.“ Im Verein gebe es ein Mitglied, das sich von Berufs wegen mit Sonartechnik auskennt, sagt Daneke. In Eigenarbeit habe der ein entsprechendes Gerät gebaut. Anhand der Geräusche lasse sich die Art der Tiere feststellen. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, gibt sich der Nabu-Vorsitzende verblüfft. Wie viele Arten es in Weyhe gibt, ist derzeit noch unklar. In Bremen habe Daneke von 18 verschiedenen gelesen, in Deutschland gebe es insgesamt 25, heißt es vom Nabu, weltweit seien es etwa 1200. Der Nabu-Mann fasst zusammen: „Wir werden überrascht sein, wie viele es hier gibt.“


Regionale Rundschau vom 12.08.2019

 

Nabu beobachtet Sechsbeiner

Insekten auf der Spur

Nabu beobachtet in diesem Sommer intensiv Sechsbeiner, um die Bestände zu analysieren

Ist notiert: Jonas Jäschke vom Weyher Nabu beschäftigt sich schon seit der Kindheit mit Insekten. Für die Insektensommer-Aktion des Naturschutzbundes hat er Daten gesammelt.

Weyhe. Jonas Jäschke weiß, wo er sie findet. Mit seinem Notizbuch und zwei Naturführern in der Hand streift er durch den Garten der Naturschutzstation des Weyher Nabu in Leeste. Immer mit dem Blick zum Boden. Ein Rundpfad ist frei gemäht, überall sonst recken sich Gräser, Wildkräuter und bunte Blühpflanzen weit in die Höhe. Jäschke, 21 Jahre, zählt an diesem Nachmittag Insekten. Er führt eine Strichliste. Deutschlandweit hat der Naturschutzbund (Nabu) diesen zum Insektensommer erklärt. Unter dem Motto „Zählen wir, was zählt“ sind Menschen dazu aufgerufen, die Anzahl der krabbelnden und fliegenden Tiere eine Stunde lang in einem kleinen Bereich zu beobachten. Die Daten nutzt der Nabu, um Rückschlüsse auf Bestände ziehen zu können.

Der erste Meldezeitraum war vom 31. Mai bis 9. Juni, am Sonntag ging nun der zweite zu Ende. Nachmeldungen dürften kurzfristig noch möglich sein, denkt Jonas Jäschke. Die erste Zählung hat er im heimischen Garten in Brinkum vorgenommen. Der Nabu hat pro Zeitraum acht Arten vorgegeben, die für den Laien gut zu erkennen und weit verbreitet sind. Wer weitere entdeckt, konnte auch sie über das entsprechende Online-Portal melden.

Hinter einen Kandidaten in seinem Buch kann Jäschke gleich neun Striche nacheinander setzen. Auf einer Blüte eines Doldenblütlers sitzt ein Sechsbeiner mit Streifen auf dem Rücken. „Die Streifenwanze habe ich vor diesem Jahr nur an einer Stelle in Stuhr gesehen“, sagt der Brinkumer, der nach seinem Bundesfreiwilligendienst beim Umweltbeauftragten der Gemeinde Weyhe auch dem dortigen Naturschutzbund beitrat. Jäschke öffnet behutsam weitere Blüten, um zu sehen, ob dort noch mehr Wanzen stecken. Und tatsächlich, fast überall haben sie sich eingenistet. „Ist schön und nett anzusehen“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht, als er die Striche neben die selbst gemalte Zeichnung des Tieres setzt. Zirpen kommt aus allen Ecken des Gartens, der Wind rauscht durch die hohen Gräser. Die Wolkendecke zieht sich zu. Nicht gerade ideales Flugwetter für die Insektenarten mit Flügeln, sagt Jäschke. Schmetterlinge, Bienen und Hummeln sind nur wenige unterwegs.

Einem Lebewesen, das fälschlicherweise oft zu den Insekten gezählt wird, macht das Wetter wiederum gar nichts aus, es schwebt stets unter freiem Himmel. Der Nabu-Mann, der Geowissenschaften an der Universität Bremen studiert, geht am Rand des Teichs in die Hocke und deutet versteckt zwischen Gräsern auf ein dicht gesponnenes Netz. In der Mitte sitzt eine dickbäuchige Spinne, deren Färbung an ein anderes Lebewesen erinnert: nämlich die Wespe. „Seit ein paar Jahrzehnten wandert die Wespenspinne weiter nach Norden“, sagt Jonas Jäschke über die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatete Art. Offenbar scheint sie sich aufgrund der klimatischen Veränderungen auch hierzulande wohlzufühlen. Um den Teich herum haben sich einige Exemplare niedergelassen. Jonas Jäschke weiß, dass Spinnen bei Menschen oft Objekt von Phobien sind, doch die Jäger seien äußerst wichtig, um alles im Gleichgewicht zu halten. „Sie haben zu Unrecht diesen Ruf“, sagt er. „Es kann größere Folgereaktionen haben, wenn die Zahl von Schlüsselarten abnimmt“, erinnert Jäschke an das Hauptanliegen der vom Nabu initiierten Zählung.

Auf der Liste steht auch die Blaue Holzbiene. Beim Bienensterben denken viele gleich automatisch an die Honigbiene, doch vor allem viele Wildbienen-Arten seien bedroht, sagt Jäschke. Ausreichend Nahrung könne der Mensch zur Verfügung stellen, wenn er Wiesenstücke weniger mäht oder zumindest Teile davon wild wachsen lassen würde. „Mit gar nichts tun kann man viel erreichen“, sagt Jäschke.

Als sich die Wolken allmählich voneinander wegbewegen, geht er den kurzen Waldpfad zum Böttcher Moor entlang. Das Wasser des Schlatts ist weit zurückgegangen, in der Mitte hat sich eine Insel gebildet, auf der Grünpflanzen aus dem Boden sprießen. Libellen zucken knapp über der Wasseroberfläche. Über die Binsen am Ufer fliegt ein Falter hinweg. „Die Vielfalt der Falter hat nach meinem persönlichen Empfinden abgenommen“, sagt Jäschke. Doch Distelfalter, so wie das beobachtete Exemplar am Ufer, habe er in diesem Jahr vermehrt gesehen. Sie legen weite Strecken zurück. „Der hat schon ein paar 1000 Kilometer auf dem Buckel“, bemerkt der Umweltschützer. Woran er es erkennt? „Die Distelfalter sehen dann ausgeblichen aus, haben oft kaputte, ausgefranste Flügelenden.“ 

Jäschke und seine Mitstreiter vom Nabu werden weiter ein Auge auf die Entwicklung der Arten haben. Für das Böttcher Moor, das aufgrund des Wasserstandes derzeit eines der Sorgenkinder der Naturschützer ist, kann er, zumindest was die Insektenpopulation angeht, sagen: „Ein neues internes Gutachten besagt, dass sich der Bestand gut entwickelt.“

Die Spinne wird oft als Insekt bezeichnet, ist aber keines. Die Wespenspinne mit ihrer gelb-schwarzen Färbung stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, fühlt sich aber auch hierzulande wegen klimatischer Veränderungen immer wohler.


Kreiszeitung vom 30.07.2019

 

Nabu fordert Politik zum Handeln auf

Hombach wieder trocken – Fische tot

Tote Fische in einer noch wasserführenden Pfütze.  

© Ulrich Kuhlmann

 

Weyhe - Naturschützer schlagen Alarm: Innerhalb weniger Wochen ist der Hombach in Weyhe laut Thomas Brugger vom Naturschutzbund erneut trocken gefallen. Das Bett führte am vergangenen Freitag von der Brücke der Bundesstraße 6 bis zur Ochtum – auf einer Länge von fünf Kilometern – kein Wasser mehr.

Der Vorsitzende des Weyher Naturschutzbundes spricht von „Hunderten toten Fischen“, betroffen seien „vermutlich auch Flussmuscheln und Kleingetier“. Der Nabu-Vorsitzende wiederholt seinen bereits in der Vergangenheit gestellten Verdacht, dass die Trinkwassergewinnung verantwortlich sei. Einen Kausalzusammenhang will die zuständige Behörde aber nicht bestätigen. Indes fordert Brugger Politik und Verwaltung auf, sich mit diesem Problem intensiver zu beschäftigen. Seine Bitte verhallt nicht: Kurzfristig kommen Vertreter der Parteien zu einem Infotreffen zusammen.

Wie Brugger schildert, war am Sonntag der Hombach-Wasserstand an der B6 fast auf Null, während sich in Fahrenhorst der Pegel bei 18 Zentimetern befand. Ein ähnliches Bild ergab sich laut Weyhes Nabu-Vorsitzenden in Nordwohlde. „Zwischen Fahrenhorst und der B6 in Weyhe liegen drei Trinkwasser fördernde Brunnen. Mir ist aufgefallen, dass allein zwischen Warwe und Wulhoop der Hombach die Hälfte seines Wasservolumens verliert“, so Brugger.

Aus ökologischer Sicht sei der erneute Trockenfall des Hombachs im Weyher Abschnitt eine „Katastrophe“, so der Leester Ulrich Kuhlmann. Der Mediziner zeigt aktuelle Bilder. Die Motive: ein Bett, in dem kein Wasser mehr fließt, und tote Fische. Das Foto hat er an der Brücke Hombachstraße, also am Parkplatzeingang zum Kindergarten, gemacht. Wie Thomas Brugger glaubt Ulrich Kuhlmann, dass die Situation „mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ auf die Wasserentnahme der Ristedter Brunnen zurückzuführen sei.

Dass die Harzwasserwerke mit ihrer Trinkwasserförderung in den Gemeinden Syke, Stuhr und Weyhe den Grundwasserspiegel beeinflussen, sei unstrittig, so Dieter Schmidt vom Tiefbauamt des Landkreises. Die Frage aber ist, wie sich das auf den Hombach auswirkt und ob dadurch ein Austrocknen des Bettes ausgelöst werden könnte – zumal Niederschläge fehlen. Verlässliche Antworten darauf könne niemand geben. Als der Hombach vor einem Monat das erste Mal trocken fiel, habe der Landkreis das zum Anlass genommen, den Brunnen 8 abschalten zu lassen. Dieser sei seit Monatsanfang – mit kurzer Unterbrechung am 19. Juli für eine hygienische Spülung – außer Betrieb, so Schmidt. Würde es die toten Fische geben, falls die Harzwasserwerke sämtliche Förderungen einstellen würden, fragt Schmidt. Er glaubt es nicht und sieht als möglichen Grund sinkende Grundwasserstände an. Dieses Phänomen könne man landesweit beobachten. Eine enorme Verdunstung sei ebenso nicht ausgeschlossen, um eine weitere Möglichkeit zu nennen.

Der Hombach beim Mühlenkamp-Park.

Den Fischen ist es laut Ulrich Kuhlmann egal, ob eine oder mehrere Ursachen dazu führen, dass sie sterben. „Wenn eine einzige Maßnahme, nämlich die Einstellung der Ristedter Brunnen, das Überleben sichern kann, dann muss man im Sinne eines Moratoriums, umgehend handeln“, so Kuhlmann.

Die Verwaltung sei an dem Thema dran, versichert Rathausmitarbeiterin Jutta Timmermann. Die Gemeinde teile die Sorgen der Bürger. Als Sofortmaßnahme habe die Verwaltung die Helfer des Freiwilligen Sozialen Jahres zum Hombach gebeten. Sie sollen schauen, ob Tiere zu retten sind. Die Gemeinde will den Kontakt zum Landkreis intensivieren und mit der Politik Lösungswege beraten.

„Sofortiges Handeln ist zwingend notwendig“, findet Antje Sengstake von der FDP. „Ich bin davon ausgegangen, dass mit Abschaltung des Förderbrunnens 8 das Problem der Austrocknung des Hombach/Gänsebach vorerst eingedämmt wurde. Die Bilder von Dr. Kuhlmann sprechen eine andere Sprache. Ich lebe seit nunmehr 55 Jahren in Weyhe und kann mich nicht erinnern, eine Austrocknung der Bäche erlebt zu haben. Supersommer hatten wir in den vergangenen 50 Jahren schon viele“, so die Fraktionsvorsitzende der Liberalen.

Er sei kein Wasserexperte, begründet Frank Seidel, weshalb er sich ein Bild von der Lage machen will. Deshalb bat der Fraktionsvorsitzende der SPD um ein Treffen mit den Naturschützern, zu dem die Vertreter der anderen Parteien kommen sollen. „Wir müssen uns erst informieren, um Lösungen zu erarbeiten“, so Seidel. Ihm schwebt die Einrichtung eines runden Tisches vor, zu dem auch Vertreter des Nabu, des Wasserversorgers, der Politik und der Verwaltung zählen. Gemeinsam müsste man schauen, welchen Einfluss die Politik üben könne.

„Natürlich beunruhigt uns der Wasserstand des Hombachs“, so Annika Bruck, Fraktionschefin der Grünen, die sich ebenfalls ein Bild von der Lage machen will.

Die Politik könne vorerst die Bürger nur auffordern, Wasser zu sparen, sagt Dietrich Struthoff, Fraktionsvorsitzender der CDU. Langfristig müssen tragfähige Lösungen her. Er glaubt, dass Trockenperioden weiter zunehmen. Der Christdemokrat schlägt vor, Niederschläge ausschließlich auf Grundstücken versickern zu lassen. Man könnte darüber reden, dass die Einführung von Regenwasser in die Kanalisation künftig grundsätzlich Geld kostet.


Regionale Rundschau vom 30.07.2019

 

Gänsebach und Hombach trocken

Bäche in Weyhe ohne Wasser

Im Gänsebach in Weyhe (Am Angelser Feld) ist gerade komplett Ebbe, derzeit aber wohl länger als üblich. (Michael Braunschädel)

Thomas Klauke hegt große Gefühle für die Natur im Allgemeinen, für sein Biotop am Gänsebachweg im ganz Besonderen. Dort lehrt er den richtigen Umgang mit der Sense, die Behandlung kranker Bienen oder auch Kochen an der Feuerstelle. Das Gelände rund um seinen Teich dort macht ihm allerdings auch zu schaffen. Dort mangelt es an Wasser, auch am Gänsebach, der hinter seinem Grundstück entlang läuft. Der liegt, wie auch der Hombach inzwischen erneut, trocken. Klauke und der Weyher Naturschutzbund-Chef Thomas Brugger sehen die Verantwortung bei den Harzwasserwerken (HHW), die ihrerseits andere Gründe dafür sehen.

Klauke hat sich seinen Traum von einer grünen Oase erfüllt. Darin leben Schafe, die er selbst schlachtet, räuchert, verarbeitet. Reichlich Obstbäume haben Platz auf dem Areal, dessen Erhalt ihn jährlich 1500 bis 2000 Euro kostet. Beim Kauf des Grundstücks half einst die Bingo Umweltlotterie mit 20 000 Euro. In seinem Teich hat Klauke einen Wasserpegel stehen, der weit aus dem Wasser herausragt. Heißt: Der Wasserstand ist niedrig, seiner Meinung nach zu niedrig. An seinem grundwassergespeisten Teich lasse sich der Pegel der Gemeinde ablesen.

Jedes Jahr sinkt das Wasser

Wasser ist auch genau das, was dem Physiker und promovierten Maschinenbauingenieur Sorge macht. Denn auch der Gänsebach hat zu wenig Wasser. Derzeit keines. Schwankungen innerhalb des Jahres seien völlig normal, sagt er. Es gebe einen Grundwasserzyklus. Der Stand sinkt im Sommer, der Tiefstand folgt im September, dann steigt er wieder und erholt sich in der Regel bis Februar/März, sagt Klauke. Inzwischen aber sei der Bach ganzjährig ausgetrocknet, auch im vergangenen Jahr schon, in dem es allerdings auch eine Dürre gegeben habe.

Seit 2017 macht er auch in seinem Teich eine andere Beobachtung. Da habe er gemerkt: „Der Teich wird nicht mehr richtig voll.“ Dort nimmt Klauke zusehends eine trockengelegte Flachwasserzone wahr. Die Abbruchkante ist sichtbar – beides eine für ihn deutlich sichtbare Veränderung. Das Wasser werde jedes Jahr weniger. Außerdem sieht er: Die Bäume gehen ein. Sie vergreisen, weil die Wurzeln verenden. Optisch heißt das, ihr Blattwerk dünnt aus. Klauke sagt, das liege an der Grundwasserentnahme der Harzwasserwerke, die unweit des Biotops Brunnen haben. „Es gibt kein Wassermanagement“, kritisiert er, sagt aber auch, dass die Werke natürlich Wasser entnehmen dürfen. Dennoch meint er: „Man kann nicht mehr entnehmen, als nachkommt.“

Der Klimawandel ist nicht der einzige Faktor

Für die Harzwasserwerke ist genau das Nachkommen das Problem. Demnach sind die Niederschläge stark zurückgegangen, vor allem in 2018, sagt HHW-Sprecherin Marie Kleine auf Nachfrage. „Es gab immer mal Defizite“, allerdings gebe es eine Aneinanderreihung trockener Jahre. Insgesamt habe der Klimawandel stark zugenommen. Einem beobachteten Zusammenhang stimmt sie zwar zu. „Die Entnahme führt dazu, dass Wasser sinkt“, sagt Sprecherin Marie Kleine.

Aber: „Wir haben in den 1980er- und 1990er-Jahren mehr Trinkwasser entnommen, als zurzeit“, sagt sie. Damals habe es noch andere Abnehmer gegeben. „Wir haben unser Verhalten nicht verändert.“ Neben dem Klimawandel könnte ein weiterer Faktor sein, „dass auch andere Leute ihr Verhalten verändert haben“. Kleine fasst zusammen: „Wir sind nicht der auslösende Faktor für das, was die Leute beobachten.“ Erneut in einigen Teilen trocken gelaufen ist auch der Hombach, teilt Thomas Brugger vom Nabu mit. Erstmalig beobachtet hatte er es bereits zu Beginn des Monats. Dass es einen extremen Niederschlagsmangel gebe, bestätigt er. „Die Frage ist, ob die Brunnen richtig platziert sind.“

Brunnen 8 (zwischen B 6 und Wulfhoop) ist einer Anfrage Bruggers an den Landkreis zufolge seit circa drei Wochen mit Ausnahme eines Tages außer Betrieb. Die Wasserführung im Hombach sei demnach nicht diesem Brunnen anzulasten. Brugger fordert, dass der HFB1-Brunnen (zwischen Warwe und Wulfhoop) der nächste ist, der abgeschaltet werden sollte. Er ziehe die zweieinhalbfache Menge des B-8-Brunnens. Eine Folge des fehlenden Wassers scheint auch das Sterben von Fischen zu sein. Entsprechende Bilder liegen der Redaktion vor. Brugger zufolge erleiden die Fische im Hombach Sauerstoffmangel, weil sie in Restwassermulden „nicht vor und zurück“ könnten.


Kreiszeitung vom 17.07.2019

 

Harzwasserwerke und Nabu suchen Antworten

Wie konnte der Hombach trockenfallen? - „Ein Stück Heimat geht verloren“

Der Hombach führt wieder Wasser.

 

© Sigi Schritt

Weyhe - Die gute Nachricht: Die dramatische Lage am Hombach hat sich entspannt: Das Fließgewässer, das in Bassum entspringt, führt wieder Wasser. Die schlechte Nachricht: das Bett des Gänsebachs ist weiterhin trocken.

Am Anfang des Monats war der Hombach erstmals tageweise trockengefallen – von der B6 bis zur Ochtum (wir berichteten). Thomas Brugger vom Nabu sieht weiterhin einen Zusammenhang zwischen der Trinkwasserförderung der Harzwasserwerke und dem Trockenfall beider Bäche. Die Harzwasserwerke sehen andere Gründe.

„Ich kann die Sorgen der Bevölkerung verstehen. Die Menschen wohnen seit Jahrzehnte in Weyhe und sehen, dass Dinge, auf die man sich immer verlassen konnte, nicht mehr eintreten“, sagt Marie Kleine, Pressesprecherin der Harzwasserwerke. Sie nennt den Klimawandel und die fehlenden Niederschläge als Hauptursachen, weshalb der Hombach zeitweise kein Wasser geführt hat. „Es wird trockener.“ Im Sommer gibt es laut Kleine mehr heiße Tage, die aufeinanderfolgen, und der Winter bringt viel weniger Flüssigkeit als früher. Das belege eine Studie, die für den Harz Daten von 1941 bis 2018 untersucht hat. Eine ähnliche Situation liege im Bremer Vorland vor. Unterdurchschnittliche Niederschläge würden in Stuhr, Weyhe und Syke „enorme Auswirkungen“ verursachen, sagt sie. Marie Kleine findet es richtig, dass sich der Nabu für die Umwelt einsetzt. „Er will uns nichts Böses“, aber die Probleme etwa vom Kleinen Schlatt in Leeste und jetzt der Bäche nur auf die Trinkwassergewinnung zu schieben, „wäre zu verkürzt“. Illegale Entnahmen könnten die Wassermengen im Hombach ebenfalls verringern. Die Sprecherin der Harzwasserwerke will aber nicht ausschließen, dass möglicherweise eine Wechselwirkung zwischen der Wasserförderung und dem abschnittsweisen Trockenfall des Bachs besteht. Deshalb habe sich der Wasserversorger entschlossen, ein Experiment durchzuführen und einen von 19 Brunnen vorläufig stillzulegen. Marie Kleine sagt, dass außerdem derzeit erheblich weniger Wasser gefördert würde, als noch in den 1980er- und 1990er-Jahren, und die Förderhöchstmengen würden längst nicht ausgeschöpft.

 

Der Gänsebach mit einem trockenen Bachbett.

Wie Kleine zudem erklärt, sei der Brunnen 8 nicht weit vom Hombach entfernt. Sie kündigt an, dass dieser weiterhin temporär außer Betrieb bleibt, um „verlässliches Datenmaterial zu bekommen“. Es gibt jetzt zwar Daten, aber die seien nicht verwertbar. Zwischenzeitlich seien nämlich Niederschläge hinzugekommen, erklärt Kleine. Den Harzwasserwerken sei daran gelegen, die Diskussion voranzubringen. Daten sollen belastbare Antworten geben, weshalb der Hombach wirklich trockengefallen ist. Ältere Weyher hatten bekundet, dass sie etwas Vergleichbares noch nie in der Geschichte der Gemeinde Weyhe beobachtet hätten und äußerten Ängste.

Thomas Brugger vom Weyher Nabu kann ebenfalls die Sorgen der Bürger verstehen. „Ein Stück Heimat geht verloren“, wenn ein Bach wie der Hombach, übrigens ein EU-relevantes Gewässer, kein Wasser mehr führt. Der Nabu-Vorsitzende freut sich über das Experiment der Harzwasserwerke. Sie hatten den Brunnen 8, Fördermenge bis 3 013 Kubikmeter pro Tag, am Freitag, 5. Juli, abgeschaltet. Brugger ist daraufhin das Gewässer mehrfach abgefahren und hat eigene Daten erhoben. Er interessiert sich ebenfalls für die Veränderungen wie der Wasserversorger. Für den Nabu-Vertreter ist das Abschalten von Brunnen 8 ursächlich für die Auffüllung des Bachbettes. Anders ausgedrückt: „Die Brunnen saugen dem Bach das Wasser weg“, sagt der Umweltschützer. Laut Brugger war der Wasserspiegel in Fahrenhorst am 10. Juli im Vergleich zum 6. Juli minimal gesunken, gleichzeitig stieg der Pegel an der B6 an: von drei auf sieben Zentimeter. „Das ist ungewöhnlich“, so Brugger.

Bis zum 5. Juli wurde in Fahrenhorst ein Durchfluss von 12. 960 Kubikmetern am Tag gemessen. An der Bundesstraße 6 kam aber nichts an.“ Zwischen Fahrenhorst und Melchiorshausen befinden sich drei Brunnen: HFB 1 sowie die Brunnen 8 und 9. Sie würden zusammen bis zu 11.500 Kubikmeter pro Tag fördern.

Der Landkreis will sich ebenfalls an der Ursachenforschung beteiligen. Ergebnisse liegen noch nicht vor, so Kreisrat Jens-Hermann Kleine.


Regionale Rundschau vom 09.07.2019

 

Trinkwasserförderung eingestellt

Hombach fällt in Weyhe erstmals trocken

 

Der Wasserstand des Mühlenkampsees ist niedrig wie selten zuvor, viele Muscheln verenden im Schlamm. (Fotos: Sebastian Kelm)

Der Regen der vergangenen Tage hat etwas Linderung gebracht für den Leester Mühlenbach. Führte dieser kürzlich kurzzeitig kein Wasser mehr, kann er mittlerweile immerhin wieder als Rinnsal bezeichnet werden, zumindest Pfützen haben sich wieder gebildet. Thomas Brugger, Vorsitzender der Weyher Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu), befürchtet dennoch einen „Totalschaden“ für das Gewässer, insbesondere für die dort lebende Tierwelt. Die Querder etwa, wurmartige Larven der Neunaugen, die im Boden zu finden sind, dürften das Trockenfallen kaum überstanden haben, glaubt er. „Eine ganze Generation dahin“, beklagt Brugger sichtlich betrübt. Noch dramatischer, weil trockener, ist die Situation aber am Hombach.

 

In dessen Verlauf von Nordwohlde bis Fahrenhorst bleibe der Wasserkörper stabil bei einer Tiefe von 25 Zentimetern und 2,2 Metern Breite, hat der Nabu-Mann beobachtet, weiter abwärts bis zur B 6 in Melchiorshausen verliere er dann aber 80 Prozent seines Volumens und sei gerade einmal noch fünf Zentimeter tief. Dies beginne also, wo die Harzwasserwerke mit dem Fördern von Trinkwasser anfangen. Im Unterlauf – Hombach und der regelmäßig trockenfallende Gänsebach werden in Leeste zum besagten Mühlenbach – ist er teilweise komplett leer. Und das ausgerechnet am beliebten, gerade erst aufwendig aufgewerteten Mühlenkampgelände und dem dortigen See – um dessen Fortbestand Brugger sich aufgrund des sinkenden Pegels ebenso sorgt wie überdies Klosterbach und Hache. Der Hombach verlandet schon jetzt zusehends, und er fragt: „Welcher Weyher Bürger hat das schon einmal erlebt?“ Er selbst kenne jedenfalls keinen.

250 Flussmuscheln gerettet

 

Brugger und weitere Nabu-Mitstreiter hatten daher am Wochenende alle Hände voll zu tun, rund 250 Große Flussmuscheln aus dem Schlamm zu retten und in den nahen Mühlenkampsee zu bringen. Die Muschel wird in der Roten Liste der gefährdeten Arten in der Kategorie als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Tote Exemplare finden sich dennoch weiterhin zuhauf im Uferbereich, der auf einem breiten Streifen bereits nur noch Matsch ist. Davon scheinen aber noch nicht allzu viele Besucher des Areals, Notiz genommen zu haben.

 

Der Nabu-Vorsitzende kritisiert: „Über 100 Grundwassermessstellen, aber keiner merkt, dass der Fluss schon am 29. Juni ausgetrocknet ist.“ Die Ursache für all dies hat er ausgemacht: die Trinkwassergewinnung durch die Harzwasserwerke. Die machte er bereits dafür verantwortlich, dass das Böttchers Moor an Wasserschwund leidet und das benachbarte Kleine Moor inzwischen komplett trocken liegt (wir berichteten). „Zuerst sterben die Moore, dann die Flüsse“, warnt er. Jetzt habe es eben Hombach und Mühlenbach „erwischt“.

 

Die Trockenheit 2018 und in diesem Jahr haben seiner Ansicht nach zwar auch ihren Anteil daran, dass die Pegel sinken, an den mangelnden Niederschlägen allein könne die beängstigende Entwicklung indes nicht liegen. Brugger prangert an, dass die jährliche Menge des geförderten Trinkwassers in der Region von 16 auf 20 Millionen Kubikmeter erhöht wurde – 80 Prozent davon aber nicht hier bleiben, sondern nach Bremen gehen. „Weil es eben billiger ist, bei uns Grundwasser zu fördern, als es aus der Weser zu gewinnen“, erklärt er.

 

 

Im Normalfall würde hier Grundwasser durch sogenannte Exfiltration in den Hombach fließen, führt er weiter aus. Das Gegenteil, Infiltration, ströme stattdessen aber Flusswasser in den Boden. Damit der Hombach nicht weiter „leer gesaugt“ wird, fordert er, dass die Entnahme in der Nähe mindestens reduziert wird.

 

Brunnen B 8 seit Freitag außer Betrieb

 

Genau das hat der Landkreis Diepholz nun tatsächlich verfügt. Martin Kleingünther von der zuständigen Unteren Wasserbehörde bestätigt in einem Antwortschreiben an Thomas Brugger das Vorliegen von „extremen Ereignissen im Hombach, wie sie bislang noch nie dagewesen sind“. Und er verkündet: „Als gegensteuernde Maßnahme greift seit Freitagmittag die Einstellung der Trinkwasserförderung des Brunnens B 8.“


Kreiszeitung vom 09.07.2019

 

„Bäche sind trockengefallen“

Nabu-Vorsitzender Thomas Brugger schlägt Alarm und sieht Gefahr für den Mühlenkamp-See

Nicht nur der Hombach trocknet aus, auch das Bett des Gänsebachs führt kein Wasser mehr. Das Bild zeigt den Pegel unter einer Brücke. Thomas Brugger macht die Trinkwassergewinnung dafür verantwortlich.

 

 

 

© Sigi Schritt /Nabu

Thomas Brugger vom Naturschutzbund (Nabu) Weyhe schlägt Alarm. Wieder einmal. Diesmal geht es aber nicht um Böttchers Moor und um das Kleine Moor in Leeste, wo die Wasserstände deutlich gefallen sind.

Weyhe - Nein, jetzt geht es um die Fließgewässer Hombach und Gänsebach. „Jedes Flussbett ist trocken.“ Davon hat sich der Nabu-Vorsitzende selbst überzeugt. Er wundert sich, dass es in diesem Gebiet rund 100 Messstellen gibt, aber niemand etwas bemerkt haben will.

Zwei Spaziergängern war Ende Juni das fehlende Wasser aufgefallen. Sie meldeten sich beim Nabu. Brugger hat die Beobachtungen überprüft und stellt Auffälligkeiten fest: „Von Nordwohlde bis Fahrenhorst verliert der Hombach keine Wassersubstanz“, so Brugger. Aber auf den nächsten sechs Kilometern von Fahrenhorst bis zur Bundesstraße 6 in Melchiorshausen verringert sich das Volumen dieses Fließgewässer um „etwa 80 Prozent“. „Unter der B6-Brücke war der Hombach nur ein Rinnsal.“

Ist die Trinkwassergewinnung die Ursache?

Der Nabu-Vorsitzende hat den Verdacht, dass die Trinkwassergewinnung dafür ursächlich ist. Genau dort greifen nämlich laut Brugger die Trinkwasserbrunnen in den Wasserhaushalt ein und bewirken eine Absenkung des Grundwasserpegels bis zu 1,5 Meter. In Höhe Wulfhoop stehen die ersten Trinkwasserbrunnen der Harzwasserwerke in einem Abstand von 200 bis 300 Meter zum Fließgewässer. Solche Brunnen macht Brugger auch für den Trockenfall des Gänsebachs verantwortlich.

„Normalerweise würde Grundwasser in die Bäche laufen und sie speisen, aber durch die Absenkung fließt das Wasser vom Hombach und Gänsebach in das Grundwasser, was wiederum von den Brunnen erwischt wird.“

Zum Vergleich: Am Samstag sei der Pegelstand des Hombachs in Fahrenhorst 25 Zentimeter hoch gewesen – direkt an der Bundesstraße 6 war er aber nur zwei Zentimeter hoch.

Thomas Brugger hatte den Landkreis informiert, und der habe sofort reagiert. „Der sogenannte Brunnen 8 wurde rausgenommen, weil er keine 200 Meter vom Hombach entfernt ist.“ Das habe Wirkung gezeigt. Der Pegel erholte sich und stieg auf fünf Zentimeter. Sicherlich hätten auch die Niederschläge am Samstag den Anstieg begünstigt, glaubt Brugger.

Diese Muscheln rettet der Nabu vor dem Austrocknen.

Wenn der Hombach aber weiterhin wenig Wasser führt, könnte dieser Umstand auch eine Gefahr für den Mühlenkamp-See bedeuten. Denn auch dieser See speist sich über den Hombach, und dort sei der Pegel um 40 Zentimeter gesunken.

Brugger glaubt, dass diese Probleme in den kommenden Jahren zunehmen werden, und fordert, die Trinkwassergewinnung auf eine andere Basis zu stellen. Das Wasser aus dieser Region wird zum Beispiel nach Bremen verkauft. Die Hansestadt bekommt laut Brugger aus den umliegenden Kommunen das Trinkwasser, aber auch aus den 19 Brunnen rund um Weyhe. Dieser Anteil betrage 44 Prozent. Bremen sollte dazu die Weser anzapfen und die Flüssigkeit aufbereiten.

Kreisrat Jens-Hermann Kleine bestätigt, dass der Brunnen 8 vom Fördernetz genommen worden ist. Der Landkreis als Untere Wasserbehörde ist in die Ursachenforschung eingestiegen. Wie Kleine bemerkt, war der Sommer 2018 „sehr trocken“. In diesem Jahr waren die Niederschlagsmengen zwar höher, aber nicht so hoch, um das Defizit vom Vorjahr auszugleichen. Die Folge: Der Grundwasserstand sinkt weiter ab. Außerdem war die Lufttemperatur in diesem Juni sehr hoch, das bedeutet laut Kleine, dass die Verdunstung ebenfalls sehr hoch war.

Weitere Entwicklung im Fokus

Um das Rätsel des trockenen Bachlaufs zu klären, habe die Gemeinde geprüft, ob Unbefugte Wasser aus dem Hombach entnommen haben. „Schläuche wurden glücklicherweise nicht entdeckt“, so Kleine. Ob die Annahme Bruggers, dass die Trinkwassergewinnung ursächlich sei, zutrifft, müsse geprüft werden. Man wolle schauen, wie sich das Grundwasser entwickelt, wenn der Brunnen 8, der sich auf halbem Weg zwischen Seckenhausen und Melchiorshausen befindet, abgeschaltet bleibt.

Der Landkreis habe auf den Missstand reagiert und laut Jens-Hermann Kleine erlaubt, Fische und andere Wasserlebewesen umzusetzen. Das hat der Nabu auch getan: Unter anderem hatte Thomas Brugger mehr als 250 Muscheln einer geschützten Art am Auslauf des Mühlenkampsees entdeckt und diese sofort in das Stillgewässer umgesetzt.


Regionale Rundschau vom 06.06.2019

Mit dem Nabu Insekten zählen

bis zum 9. Juni Meldungen zum Artenbestand abgeben

 

Nabu-Aktion Insektensommer Foto: Eric Neuling

Noch bis Sonntag, 9. Juni, läuft das Forschungsprojekt Insektensommer des Naturschutzbundes (Nabu). Die Naturschützer fordert dazu auf, sich am Insekten-Zählen zu beteiligen. „Suchen Sie sich einen schönen Platz im Garten oder der Natur, und helfen Sie mit, die Artenvielfalt und Anzahl jeder Insektenart zu sammeln, denn jedes Insekt ist wichtig“, teilt Bernd Daneke mit, zweiter Vorsitzender der Weyher Ortsgruppe. Der optimale Tag, um viele Insekten zu sehen, sei sonnig, warm, trocken und windstill. Wer mitmachen will, notiert alle Insekten, die innerhalb einer Stunde am Beobachtungsplatz entdeckt werden – auch in Blumentöpfen, an Bäumen oder unter Steinen kann nachgesehen werden.

Bei fliegenden Tieren wie Schmetterlingen oder Hummeln sollten sich Teilnehmer die von jeder Art größte gleichzeitig anwesende Zahl notieren, sodass Doppelzählungen nach Möglichkeit umgangen werden. Daneke nennt ein Beispiel: „Wenn am Anfang der Beobachtungszeit ein Kohlweißling vorbeifliegt und eine halbe Stunde später noch einmal einer, könnte es beide Mal das selbe Tier sein. Gemeldet wird in diesem Fall also nur ein Kohlweißling.“

Die Beobachtungen werden als sogenannte Punktmeldungen erfasst. Es sollen also nicht die Insekten eines größeren Gebietes zusammengefasst werden, sondern nur die von einem eng begrenzten Beobachtungsort. Diesen Ort hat der Nabu als Umkreis von höchstens zehn Metern festgelegt – das sind immerhin gut 300 Quadratmeter und damit Raum für viele interessante Insektenfunde. Wer Lust und Zeit hat, kann an mehreren Orten beobachten, muss dann aber jedes Mal eine separate Meldung abgeben.

Auch Lupen und Becherlupen können hilfreich sein. Wichtig sei bei der zweiten Option nur, dass die Insekten nach der Bestimmung wieder unversehrt in die Freiheit kommen – dort, wo sie auch gefunden wurden.


Kreiszeitung vom 04.06.19

Nabu Weyhe ruft dazu auf, Insekten im heimischen Garten zu erfassen

Volkszählung im Kleinformat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Insekten wie die Hummel stehen im Zentrum der Schutzbemühungen des Nabu – und sollen gezählt werden. Foto: EHlers

Weyhe - Von Luka Spahr. „Die Biomasse ist zu ganz, ganz großen Teilen zurückgegangen.“ Was Ulrike Buck vom Naturschutzbund (Nabu) aus Weyhe da erklärt, lässt sich auch ganz einfach übersetzen: Die Insekten sterben aus. Nicht nur in Deutschland, auch in Weyhe ist in den vergangenen Jahren ein stetiger Rückgang zu erkennen, so die Expertin.

Diese Erkenntnis will der Nabu jetzt durch das bundesweite Forschungsprojekt „Insektensommer“ mit Fakten untermauern. Da man nur mit Dokumentationen Veränderungen belegen kann, ruft die Naturschutzorganisation – nach einer erfolgreichen Gartenvögel-Zählung im vergangenen Jahr – noch bis Sonntag alle Interessierten dazu auf, die Insektenbestände in ihrem Umfeld zu erfassen.

„Entdecken Sie die bunte Vielfalt auf sechs Beinen. Suchen Sie sich einen schönen Platz im Garten oder der Natur, und helfen Sie mit, die Artenvielfalt und Anzahl jeder Insektenart zu sammeln, denn jedes Insekt ist wichtig“, ruft der Nabu in einer Pressemitteilung auf.

Der optimale Tag, um viele Insekten zu sehen, sei ein sonniger, warmer, trockener und windstiller Tag, heißt es weiter. In einem Umkreis von maximal 300 Quadratmetern sollen Interessierte von jeder Art die größte gleichzeitig anwesende Zahl von Tieren aufschreiben – nicht die Gesamtzahl, da es sonst zu Doppelmeldungen kommen kann.

Eine Lupe kann dabei helfen, die kleinen Tierchen zu unterscheiden. Bringt auch das nichts, kann man immer noch ein Foto machen und anschließend recherchieren.

Ein Internet-Link zu weiteren Informationen, einer Übersicht mit den am häufigsten vorkommenden Insekten im heimischen Garten und einem Meldeformular befindet sich am Ende dieses Textes.

Ulrike Buck vom Nabu Weyhe ist sich sicher, dass auch in diesem Jahr wieder viele Nabu-Mitglieder und Aktive bei dem bundesweiten Forschungsprojekt dabei sein werden. „Das Interesse ist sehr groß“, berichtet sie mit Blick auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Sie sehe in Wohngebieten immer mehr Rasenflächen, die auch mal eine Zeit lang nicht gemäht werden. „Ich denke, das Thema kommt in der Bevölkerung an“, zeigt sie sich zuversichtlich.

Dazu könnten in Weyhe und umzu auch die Aktionen des Nabu beigetragen haben. Seien es Podiumsdiskussionen wie „Wir schaffen Lebensraum“ zusammen mit der WIR morgen in Stuhr (wir berichteten), Saatgut-Aktionen wie die im April in Weyhe oder Projektwochen an Schulen wie sie bald an der Grundschule Leeste anstehen: Der Nabu und andere Naturschutzorganisatoren sensibilisieren auf vielen Kanälen für das Thema Insektenschutz. Jetzt soll der „Insektensommer“ das Thema weiter in die Bevölkerung tragen und auf die wichtigen Helferlein hinweisen.

Infos und Meldeformular:

www.bit.ly/2HYMBDV


Kreiszeitung vom 06.02.19

 

Nabu-Aktionstag gegen das Insektensterben

Der Weyher Naturschutzbund (Nabu) ist bereits am Sonntag in die Freiluftsaison gestartet und hat seine Naturschutzstation an der Böttcherei geöffnet. Während die Aktiven in den Vorjahren erst ab Mai Interessierte empfangen hatten, legte der Nabu in diesem Jahr früher los, um auf das Insektensterben hinzuweisen – und etwas dagegen zu tun: Die Gäste konnten Saatgut erwerben, um einen insektenfreundlichen Garten zu schaffen. Teichbesitzer durften laut Mitteilung eine Krebsschere (Foto) mitnehmen, eine geschützte und seltene Wasserpflanze, die Libellenarten als Eiablageplatz dient. Foto: Ehlers


Kreiszeitung vom 06.02.19

 

Gemeinde und Kreis wollen helfen

Tausende Amphibien in Gefahr: Leester Moor verlandet

Das Kleine Moor ist Ziel für Tausende Amphibien, das sie zum Laichen aufsuchen, ist fast verlandet. Laut Nabu fehlt Wasser in geschützten Bereichen. © Sigi Schrit

 

Leeste - Von Sigi Schritt. Thomas Brugger vom Naturschutzbund (Nabu) Weyhe schlägt Alarm: Das Böttchers Moor und ein weiteres Gewässer in der unmittelbaren Nähe, das Kleine Moor, verlanden - mit einer aus Bruggers Sicht „dramatischen Folge“. Der Nabu-Vorsitzende sieht eine Gefahr für Tausende Amphibien, die Jahr für Jahr in diesen Gewässern ablaichen. „Sie verlieren ihr Revier.“ Der Naturschützer findet, dass den Tieren mit vereinten Kräften geholfen werden muss. Er hat auch schon Ideen parat, wie das gelingen könnte. Gemeinde und Kreis wollen helfen.

Eine Stippvisite am Dienstag hat ergeben, dass die Pegelstände der beiden Gewässer für die Tiere nichts Gutes verheißen. In beiden Fällen ist die Nullmarke bereits unterschritten. Und massive Regenfälle wie in den Wintern 2016/2017 und 2017/2018 seien nicht in Sicht. Auch in den nächsten Wochen würden sich die Himmelsschleusen nicht ausreichend öffnen, glaubt der Nabu-Vorsitzende.

Im Kleinen Moor watete Brugger im Schlamm Richtung Messlatte. Die Decke befindet sich 45 Zentimeter im Minusbereich. Das Böttchers Moor ist fünf Zentimeter unter der Nullmarke. Die Idylle sei trügerisch. Brugger nennt als Grund für die „massive Verlandung“ der beiden Gewässer die Trinkwassergewinnung und sieht die Harzwasserwerke dafür in der Verantwortung.

Jahrzehntelang hat dieses Unternehmen laut Nabu aus neun Brunnen in Weyhe, drei in Stuhr und sieben in Syke insgesamt 16 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich gewonnen. 2010 erfolgte die Genehmigung einer Aufstockung der Fördermenge um weitere vier Millionen auf 20 Millionen Kubikmeter, um unter anderem auch Bremen mit Trinkwasser zu versorgen. „Diese Brunnen haben einen Einfluss auf den Grundwasserstrom“, sagt Brugger. Das gelte insbesondere für den Horizontalbrunnen mit der Bezeichnung HBF3, 1000 Meter südlich der Gewässer, und den Brunnen 11, 700 Meter westlich (wir berichteten über die Erneuerung).

 

Böttchers Moor: Der Pegelstand ist unter der Nullmarke. © Sigi Schritt

 

Laut Brugger sei allein durch die 16-Millionen-Förderung der Grundwasserpegel bei besagten Gewässern um 0,75 Meter abgesenkt und durch die Erhöhung der Fördermenge um einen weiteren halben Meter. Nach Nabu-Erhebungen würden es die Niederschläge nicht mehr schaffen, die Gewässer zu füllen, lautet Bruggers Analyseergebnis. Es komme auf den Grundwasserpegel für das Schlatt und den Tümpel an.

Was machen die Tiere, wenn sie auf das verlandete Kleine Moor treffen? Sie müssen zum Böttchers Moor ausweichen, so der Nabu-Vorsitzende. Dort aber treiben ausgesetzte Sonnenbarsche ihr Unwesen, die die Kaulquappen fressen. Die Fische müssten dringend aus dem Wasser geholt werden, wünscht sich der Naturschützer. Und für den verlandeten Tümpel fordert Brugger, dass er aufgefüllt wird.

Außerdem regt der ehemalige Weyher Ratsherr an, darüber nachzudenken, ob die Stadt Bremen für die Trinkwassergewinnung wieder Wasser aus der Weser aufbereitet. Dann könnte das Wasser aus der niedersächsischen Nachbarregion - wie früher - wieder beigemischt werden mit der Folge, dass die Liefermenge aus Weyhe, Stuhr und Syke sinkt.

Böttchers Moor: Am Steg kann kein Boot festmachen. © Sigi Schritt

 

Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski der Gemeindeverwaltung könne keine eindeutige Ursache benennen, weshalb der Wasserspiegel des Kleinen Moors so dramatisch gefallen sei. „Die extrem geringen Niederschläge des Sommers 2018 können hierzu beigetragen haben“, glaubt er. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass die Grundwasserentnahme zur Trinkwassergewinnung eine Rolle gespielt hat.

Die Gemeinde Weyhe ist als Eigentümerin in Zusammenarbeit mit dem Landkreis seit Jahren aktiv, den Erhalt des Gewässers zu sichern, so Nadrowski. Er erinnert an die Entschlammungsaktion. Darüber hinaus sei das „Kleine Moor“ in das sogenannte Beweissicherungsverfahren zu den Folgen der Trinkwassergewinnung einbezogen. Die Gemeinde beabsichtigt kurzfristig, einen Termin mit allen Betroffenen wie dem Landkreis, den Harzwasserwerken und dem Nabu anzuberaumen, um „die Perspektiven für einen langfristigen Erhalt zu erörtern“. Für das benachbarte „Böttchers Moor“ wird derzeit laut Nadrowski ein Gutachten erarbeitet, das unter anderem Aussagen zur langfristigen Sicherung des Gewässers beinhaltet. „Dabei wird auch die Regulierung des Bestands an Fischen und Amphibien berücksichtigt werden.“

„Wir müssen schauen, ob die Harzwasserwerke in der Pflicht sind, etwas zu tun oder nicht“, sagt der Wasserbau-Ingenieur Martin Kleingünther vom Landkreis. Er stimmt mit dem Nabu überein, dass ohne die Trinkwasserförderung der Grundwasserstand ein anderes Niveau habe.

Zur Pegelabsenkung führt der Vertreter der Unteren Wasserbehörde ebenso wie die Gemeinde als natürlichen Aspekt die geringen Niederschläge vom Sommer 2018 an. Während das Böttchers Moor ein Schlatt sei, ist es das Kleine Moor nicht. Dem fehle die „natürliche Dichtung nach unten“. Das könnte man ändern. Ob man es mit Schläuchen auffüllen kann, müsse man mit dem Nabu erörtern. Und in Sachen Sonnenbarschen habe die Untere Wasserbehörde längst angeregt, etwas gegen diese Tiere zu unternehmen. „Allerdings ist niemand explizit ausgeguckt worden.“


Regionale Rundschau vom 06.02.19

 

Das Böttchers Moor trocknet aus

Kleines Schlatt nur noch eine Pfütze

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlägt Alarm: Laut Weyhes Nabu-Vorsitzendem Thomas Brugger werden Tausende Amphibien bald in ihr Laichgebiet wandern – und es ausgetrocknet vorfinden. (Sebastian Kelm)

 

Weyhe-Leeste. Sie kommen: Wenn spätestens im März die Temperaturen konstant in den zweistelligen Bereich klettern, wandern wieder bis zu 10 000 Amphibien, meist Kröten und Molche, aus den umliegenden Wäldern in Richtung Böttchers Moor. Das Kleine Moor ganz in der Nähe ist ihr bevorzugtes Laichgewässer. Doch dort werden sie jetzt kaum ihren Nachwuchs bekommen können, denn „Gewässer“ trifft es derzeit nicht mehr richtig: Nur noch Matsch ist seit drei Monaten übrig, wo laut Thomas Brugger von der Weyher Nabu-Gruppe vor ziemlich genau einem Jahr der Messpegel noch bei 96 Zentimetern stand. Das Kleine Moor, es ist ihm zufolge zum ersten Mal überhaupt komplett trockengefallen. Angrenzende Anwohner bestätigen dies, nach ihren Angaben gab es hier und im Großen Moor nie so niedrige Wasserstände.

Ins eigentliche Böttchers Moor werden die Tiere wohl oder übel weiterziehen müssen, um überhaupt ablaichen zu können. Doch obwohl dort immerhin eine Tiefe von knapp einem Meter geblieben ist, sind die Bedingungen für sie alles andere als optimal. „Irgendjemand hat da Sonnenbarsche ausgesetzt, die sich rasant ausgebreitet haben“, erzählt Brugger. Hinzu komme, dass die Trockenheit die Ufervegetation so hat zurückgehen lassen, dass es kaum noch etwas gibt, an dem die schwimmenden Eier befestigt werden können. „Das stirbt alles aus hier“, fasst der Nabu-Vorsitzende drastisch zusammen, wohin die Entwicklung seiner schlimmsten Befürchtung nach steuert.

Der lange, heiße und niederschlagsarme Sommer 2018 hatte sicher seinen Anteil daran, dass die Situation ist wie sie ist. Doch Thomas Brugger sieht den Grund dafür noch woanders: in der Trinkwassergewinnung durch die Syker Vorgeest beziehungsweise die Harzwasserwerke. Letztere betreiben ihm zufolge 19 Brunnen zur Grundwasserentnahme in der Region, drei in Stuhr, sieben in Syke und gleich neun in Weyhe. Mit den Brunnen 11 und HFB3 sind zwei davon nur weniger als 1000 Meter vom Böttchers Moor entfernt. Sie seien jeweils vor nicht allzu langer Zeit erneuert worden – um noch effektiver abzupumpen, wie Brugger meint.

Der Regen schafft es nicht

Das Problem in seinen Augen: Rund 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durften die Harzwasserwerke bisher fördern, 2012 sei aber bewilligt worden, dass es künftig bis zu 20 Millionen sein können. Auflage war, dass ein sogenanntes Beweissicherungsverfahren mögliche negative Auswirkungen auf die Natur ermittelt. Die Krux in Bruggers Augen: Auftraggeber des Gutachtens waren die Harzwasserwerke selbst, die Untersuchung dazu nahm das Unternehmen ebenfalls in die eigenen Hände. Und das Ergebnis war, dass beide Schlatts, das Große Moor und das Kleine Moor, sowohl aus dem Grundwasser als auch direkt über Niederschläge gespeist werden. „Wir vom Nabu haben aber ein eigenes Monitoring vorgenommen und haben herausgefunden, dass das Kleine Moor komplett vom Grundwasser abhängig ist. Regenfälle schaffen es gar nicht, das zu füllen“, sagt Brugger.

Das erkläre auch starke Schwankungen beim Pegel. Der Nabu-Mann: „Das Große Moor hingegen scheint von der Sohle her dicht zu sein, das zieht sein Wasser eher aus den Seitenräumen.“ Beim vereinfacht gesagt nach unten offenen Kleinen Moor, das sein Wasser offensichtlich aus dem Erdreich bekommt, werde der durch die Wassergewinnung sinkende unterirdische Spiegel daher zum Problem, wie er erklärt. Einen Meter unter der Oberfläche begann dieser sonst, wurde dann durch die Entnahme um 0,75 Meter reduziert und durch die erhöhte erlaubte Menge, die die Harzwasserwerke nutzen wollen, würde er noch einmal um einen halben Meter fallen. „Das ist dann halt unter der Gewässersohle“, sagt Brugger.

Eine Lösung wäre das Befüllen des Moores. Oder wie er es zusammenfasst: „Wenn ich ein Gewässer künstlich leer saugen kann, kann ich es auch künstlich wieder befüllen.“ Zu einer solchen oder anders gearteten Kompensation seien die Harzwasserwerke, von denen am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten war, aber nicht bereit.

80 Prozent gehen nach Bremen

Der Ansatz müsste aber ein ganz anderer sein, findet er, nämlich die Reduzierung der entnommenen Wassermengen. Denn aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion an den Bremer Senat aus dem Jahr 2015, die ihm vorliegt, geht hervor, dass die Hansestadt Abnehmer von nicht weniger als 80 Prozent des im südlichen niedersächsischen Umland gewonnenen Trinkwassers aus Brunnen ist. Er kritisiert, dass Bremen die eigene Wasserförderung aus der Weser aufgegeben hat – weil es nicht so steril ist, deswegen anders gereinigt werden muss und dies das Ganze eben verteuert. „Man kann deshalb Weyhe doch nicht so stark belasten, dass der Naturhaushalt zusammenbricht“, beklagt er. 

Immerhin: Die betroffenen Akteure sehen nun offenbar alle ein, dass es so nicht weitergehen kann am Böttchers Moor. Wie Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt, auf Anfrage bestätigt, soll es kurzfristig einen Termin geben, bei dem sich auch Vertreter von Landkreis Diepholz und Harzwasserwerken mit dem Nabu Weyhe ein Bild vor Ort machen wollen, „um die Perspektiven für einen langfristigen Erhalt zu erörtern“. Aber: „Kurzfristige Maßnahmen“ werden seitens der Fachverwaltung „aus geohydrologischen Gründen“ eher kritisch gesehen, bremst Nadrowski die Erwartungen.

Er schließe aber zumindest nicht aus, dass beim Fallen des Wasserspiegels im Kleinen Moor unter die Nullmarke die Grundwasserentnahme eine Rolle gespielt hat. Er verweist andererseits auf die bereits erfolgte Entschlammung der Schlatts durch die Gemeinde als Eigentümerin. Für das Böttchers Moor werde derzeit zudem ein Gutachten erarbeitet, das unter anderem Aussagen zur langfristigen Sicherung des Gewässers beinhalten wird, verrät Nadrowski. Dabei solle auch die Regulierung des Bestandes etwa an Amphibien berücksichtigt werden – die jetzt aber erst einmal ohne ihren angestammten Laichplatz überstehen müssen.

 

Großes und Kleines Moor

Weyhe. Das Böttchers Moor oder Böttcher Moor besteht im Wesentlichen aus dem Großen Moor und dem benachbarten Kleinen Moor, entstanden bei der Eiszeit vor mehr als 10 000 Jahren, vermutlich als Überbleibsel von Toteis oder durch Windausblasungen. Manchmal auch „Esdohrs Moor“ genannt, geht der gebräuchlichere Name – ebenso wie die Benennung der daran verlaufenden Straße Böttcherei – auf die früheren Bewohner des Gehöftes Melchiorshausen Nummer 1 zurück, heißt es in einer Beschreibung der Mittelweser-Region zu den beiden sogenannten Schlatts. Der westlich gelegene Hof soll schon in Quellen aus dem 16. Jahrhundert erwähnt worden sein. 

Das Böttchers Moor ist eines der wenigen offenen Stillgewässer der Gemeinde Weyhe. 1938 wurde es zum Landschaftsschutzgebiet, obwohl bis in die 1970er-Jahre hinein noch als Badesee genutzt – sogar mit Sprungbrett. Um 1770 dehnte sich dieses Landschaftssegment noch von der Schlade bis zur südlichen Gemeindegrenze aus, überwiegend östlich der Böttcherei, wie es heißt. Der mehr als drei Kilometer lange Abschnitt war Teil eines Heidegebiets, das im 19. Jahrhundert zum großen Teil parzelliert und bis in das folgende Jahrhundert hinein kultiviert wurde. Zwischenzeitlich wurde das Gebiet auch als „Torfmoorkuhle“ bezeichnet. Es erstreckte sich damals über rund 40 000 Quadratmeter und war größtes von mindestens acht Kleinstgewässern, die nördlich des Einzelhofes Hahnenfelde in der Rumpsfelder Heide lagen. 

Diese Tümpel wurden oft als Viehtränken genutzt oder auch zum Flachsrotten, also für eine der Vorbehandlungsstufen des angebauten Flachs im Zuge der Garn- und Leinenherstellung. Experten gehen davon aus, dass das Kleine Moor als Rotteschlatt diente – worauf die Bezeichnung „Rath-Moor“ hindeuten könnte. Die vermoorten Bereiche waren zudem Brennstofflieferanten, hier wurde laut Historie der Mittelweser-Region Torfabbau betrieben.

 


Regionale Rundschau vom 02.02.19

 

Nabu will Zahl der Fledermausarten in Weyhe ermitteln

Ortsgruppe plant ein Projekt zur Schaffung neuer Quartiere für die bedrohten Flug-Säugetiere

Weyhe. Sie leben seit rund 50 Millionen Jahren auf der Erde – und sie sind immer noch unter uns: Fledermäuse. Den fliegenden Säugetieren – von denen es heute mehr als 1200 Arten weltweit geben soll, die Mehrzahl davon allerdings in den von ihnen bevorzugten tropisch-warmen Klimazonen – will sich die Weyher Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) nun intensiver widmen als ohnehin schon.

In Deutschland sollen 25 Fledermausarten unterwegs sein, die Zahl in Weyhe soll noch ermittelt werden. "Daher sind wir über jede Information zu vorhandenen Tieren dankbar", erklärt Bernd Daneke, stellvertretender Vorsitzender, den Hintergrund der neuen Initiative. Ideen bei diesem Projekt sind etwa, Winterquartiere in Bunkern einzurichten, Fledermauskästen wie Vogel-Nistkästen zu einem Standard an Gebäudewänden werden zu lassen, die Einwohner aufzufordern, ihre Gärten mit Pflanzen zu bestücken, die von nachtaktiven Beutetieren wie Insekten, Käfern und Spinnen gerne besucht werden. 

Fledermäuse seien einzigartige, gesetzlich geschützte Tiere, sie "sehen" ihm zufolge mit den Ohren, sausen bei bis zu 800 Herzschlägen pro Minute durch die Lüfte und schlafen mit teilweise nur einem Herzschlag pro Minute durch den Winter, manche in über 1000 Kilometer entfernten Winterquartieren. Diese "tollkühnen Flugakrobaten mit Raubtiergebiss", so Daneke, rufen mit einer Lautstärke wie Düsenflugzeuge – glücklicherweise in für Menschen nicht wahrnehmbaren Frequenzen, wie er hinzufügt. Sie können 20 bis 30 Jahre alt werden, erreichen aber nur ein Durchschnittsalter von vier bis fünf Jahre. Sie nutzen ihre Sommer- wie Winterquartiere oft über Generationen, drückt der Nabu-Mann seine Bewunderung für Fledermäuse aus.

Besorgt schickt er hinterher: "Sind sie erst einmal weg, werden sie somit nicht so schnell wieder kommen." Daneke weiter: "Ohne Maßnahmen sehen wir immer schlechter werdende Lebensräume voraus, da durch die heutige Landwirtschaft, dem Verschwinden von Streuobstwiesen, Heckenstrukturen, Tümpeln und Kleinstbiotopen das Insektenvorkommen nicht mehr lange ausreichen könnte, und durch unsere Baumaßnahmen und Forstwirtschaft immer weniger Sommer- und Winterquartiere erhalten bleiben."


Weitere Infos zu den Aktivitäten der Ehrenamtlichen auf www.nabu-weyhe.de.